Leseproben

 

Als Autor ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, Ihnen ein paar Texte oder Auszüge vorzustellen. Es handelt sich um Kurzgeschichten, Romane, aber auch satirische Betrachtungen. Auf alle Fälle wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen.

 

Los geht`s.

 

                           Mir ist es hier zu kalt.

 

"Mir ist es hier zu kalt. Wie kann es so was geben?" Er legte seine rechte Hand auf den Heizkörper in seinem Wohnzimmer. "Komisch, die ist ja eiskalt", dachte er. Es wunderte ihn umso mehr, da er jeden Morgen, wenn er das Haus verließ, um in die Arbeit zu fahren, die Heizung auf mittlerer Stufe ließ. Energie sparen hin und her – er wollte es einfach annehmbar warm haben, wenn er nach Hause kam. Heute stimmte aber irgendetwas nicht damit.

Es konnte auch nicht der Fall sein, dass sie sich von selbst abschaltete, wenn es im Wohnzimmer warm genug geworden war. Zwar stand die Sonne zu dieser spätherbstlichen Jahreszeit schon ziemlich tief, sodass ihre Strahlen weit in die Räume seiner auf der Südseite gelegenen Wohnung vordringen konnten, aber dennoch würde sie sich deshalb nicht von selbst regulieren.

"Na ja, stelle ich sie eben höher. Dann wird sie schon wieder anspringen. Jedoch nichts tat sich daraufhin. Nervös geworden drehte er den Knopf runter, er drehte ihn rauf – gar nichts geschah, null. Schließlich ließ er ihn los und kratzte sich am Kopf.

"Das gibt’s doch nicht", sprach er kopfschüttelnd vor sich hin. Vielleicht sollte er seinem Vermieter bescheid sagen. Der wohnte direkt in der Wohnung unter ihm. Aber schon wenn er daran dachte, sträubten sich ihm sämtliche Nackenhaare. Er konnte diesen Kerl nämlich nicht ausstehen.

Warum? Dafür gab es einige Gründe. Zum Beispiel war da seine überhebliche Art. Er benahm sich, als sei er allen anderen überlegen und bräuchte sie nicht ernst zu nehmen. Er erinnerte sich daran, wie sie einmal bei einem Fest der Hausgemeinschaft zusammensaßen. Da war dieser Mensch auch dabei, den die anderen bei einer Eigentümerversammlung unvorsichtigerweise zusätzlich noch zu ihrem Sprecher gewählt hatten. Ihn, der die meiste Zeit bei seiner Freundin wohnte, um Heizungskosten zu sparen. Irgendwie musste sein Mercedes-Cabrio, mit dem er protzte, ja finanziert werden. Nein, was für ein Witz!

Je mehrer nun über seinen Vermieter nachdachte, desto mehr Neid, gepaart mit ohnmächtiger Wut keimte in ihm auf. Dieser Typ wollte nur die Hand aufhalten und Miete kassieren. Alles Andere war ihm scheißegal. Dass es zum Beispiel durch die geschlossene Balkontür zog wie Hechtsuppe und man sich nur mit Decken, die man dazu in die Ritzen stopfte, behelfen konnte, war noch das geringste Ärgernis, über das man einigermaßen hinwegsehen konnte. Dass er aber, wenn er ausnahmsweise wieder einmal zuhause war, seinen Balkon aufsuchte, um dort zu rauchen und der Rauch dann jedes Mal zu ihm ins Wohnzimmer hochstieg, ganz egal, ob die Balkontüre geschlossen war oder nicht, das ließ ihn noch viel wütender werden.

Außerdem drehte er meistens seine Musikanlage auf, sodass man in seiner eigenen Wohnung kein Wort mehr verstand. Das ging ihm unheimlich auf die Nerven. Es brachte ihn dazu, dass er immer ein paar Mal kräftig mit dem Fuß aufstampfte. Zwar wurde es dann in der Wohnung unter ihm für kurze Zeit leiser, aber es hielt nicht lange vor und die Lautstärke nahm wieder zu.

Ergänzt wurde das Ganze noch dadurch, dass dieser Mensch öfters Besuch von seinen Kumpels bekam und diese bei vorgerückter Stunde und gestiegenem Alkoholkonsum laut zu reden und zu lachen begannen. Immer drang alles zu ihm hoch, sodass er keine Ruhe mehr hatte.

Der einzige Grund, weshalb er noch nicht auszog, war die billige Miete.

Aber jetzt dieser Ärger mit der abgestellten Heizung, das war noch ein ganz anderes Kaliber. Wollte ihn sein Vermieter absichtlich provozieren, ihn, den friedliebenden Menschen, dessen Beruf sowieso jeden Tag besondere Kraftanstrengung von ihm verlangte.

Er war zwar in der Verwaltung einer öffentlichen Einrichtung beschäftigt, aber dort gab es Stress pur. Ständig nervenaufreibender Parteiverkehr mit 150 Leuten am Tag setzte ihm zu, sein Ruhebedürfnis stieg jeden Abend, wenn er nach Hause kam, ins Unermessliche.

Nur noch abschalten und die Füße hochlegen, etwas Anderes kam für ihn nicht mehr infrage. Aber das klappte eben nur, wenn sein Vermieter nicht in seiner Wohnung unter ihm anwesend war.

"Es reicht einfach", murmelte er vor sich hin. "Es wird Zeit, dass ich endlich etwas dagegen unternehme. Ich lasse mir diesen Terror nicht mehr bieten."

Er ging nach draußen auf seinen Balkon. Dann blickte er vorsichtig über dessen Brüstung nach unten, um feststellen zu können, ob er ebenfalls dort sitzen würde. Dies war nämlich meistens der Fall, wenn er daheim war.

Es war an der Zeit, dass er mit ihm redete, so konnte es einfach nicht weitergehen.

Er öffnete seine Wohnungstüre und als er schon im Treppenhaus stand, fiel ihm noch ein wichtiges Detail ein, dass er auf keinen Fall vergessen durfte. 

Er ging nochmals zurück in seine Wohnung, suchte die Küche auf, öffnete eine Schublade und nahm ein großes Fleischermesser heraus.

Jetzt würde er sich endlich sein Recht verschaffen.

 

 

Tja, zu was die menschliche Seele doch fähig  ist. Man sollte es nicht glauben. Aber es kommt noch doller im meinem ersten Roman mit dem Titel "Der Fluch von Rennes-le-Château". Da gerät ein deutscher Tourist durch einen merkwürdigen Zufall in das Jahr 1897. Das Ganze spielt sich in Südfrankreich ab, genauer gesagt in einem Dorf mit dem klangvollen Namen Rennes-le-Château. Er lernt dort den Geistlichen Abbè Bèrenger Saunière kennen, der gerade dabei ist mit seinen beiden Kollegen aus den ´Nachbardörfern geheimnisvolle Dokumente, die er in seiner Kirche gefunden hat, zu entschlüsseln. Der Zeitreisende Jacques Berger belauscht heimlich diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindende Besprechung:

 

 

               

                         BESPRECHUNG

 

Als ich vor der Kirche stand, sondierte ich die Lage. Wo konnte ich eine Stelle finden, von welcher ich etwas davon mitbekam, was man in der Kirche besprach?

Und dann kam mir eine Idee: Ungestört war man eigentlich nur am Friedhof. Zwar war ich noch nie dort gewesen und Saunière hatte mir eine Führung versprochen, aber das war jetzt egal. Schließlich konnte ich ihn auch so erkunden, selbstverständlich mit einem bestimmten Ziel. Also begab ich mich als erstes durch die Eingangstür, als ich rechterhand die Kirchenmauer vor mir sah und mir klar wurde, dass irgendwo dort eine Nische sein könnte, möglicherweise im hinteren Bereich, wo man nicht gleich entdeckt wurde. Langsam und vorsichtig suchte ich alles ab. Glücklicherweise befand sich niemand um diese Zeit auf dem Friedhof und ein paar Minuten später hatte ich Erfolg. Es gab wirklich eine Stelle, von welcher aus ich ziemlich unbeobachtet hören und sogar sehen konnte, was sich drinnen ereignete.

 

Die drei Geistlichen diskutierten gerade heftig über bestimmte Stellen in der Bibel. Grund hierfür war Gelis Aufregung über den Dämon Asmodis, welcher ihn jedes Mal irritierte, wenn er die Kirche betrat. Er schrie Saunière förmlich an. „Das ist Gotteslästerung, Saunière, einem Geschöpf des Satans das Becken mit dem Weihwasser aufzubürden! Was haben Sie sich dabei gedacht?“ Verzweiflung stand in seiner Stimme und er musste sich erst einmal auf eine Bank niederlassen. Dann würgte er an seinem Kragen, als bekäme er keine Luft mehr. Plötzlich stand er auf und rannte aus meinem Blickfeld und ich hörte Türenschlagen. Wahrscheinlich war er ins Freie gestürzt, um erst einmal wieder herunterzukommen. Anscheinend war Gelis ein sehr sensibler Mensch und so warteten sie, bis er sich wieder beruhigt hatte.

Derweilen konnte ich vernehmen, wie Boudet Saunière fragte: „Wie geht es eigentlich Ihrem Gast, fühlt er sich schon besser? Hat er gesagt, wie lange er hierbleiben möchte?“

„Ich denke, es wird noch einige Tage dauern, bis er wieder reisefähig ist. Ich habe ihm gesagt, er soll sich die Zeit dazu nehmen, um zu genesen.“

„Hmh, ich frage mich dabei, ob er rein zufällig hierhergekommen ist oder ob ihn jemand geschickt hat. Die Frage ist: Kann man ihm vertrauen?“

Saunière zog die Stirn kurz in Falten, um nachzudenken. „Ich glaube, Monsieur Berger scheint mir einigermaßen vertrauenserweckend. Ich kann mir bis jetzt nicht vorstellen, dass er mit bestimmten Absichten hierhergekommen ist, außer natürlich, um sich unser kleines Dorf anzusehen. Zugegeben, sein Äußeres wirkt zwar etwas fremdländisch, aber ich gehe davon aus, dass er uns keine Probleme bereiten wird. Ich habe den Eindruck, dass er kein Gesandter Roms oder irgendeiner anderen Institution ist, wenn Sie das meinen.“

„Nun, Vertrauen einflößend heißt nicht unbedingt, dass man jemandem auch vertrauen kann. Halten Sie lieber trotzdem die Augen weiter offen, Bérenger. Ich habe nämlich das Gefühl, dass wir unruhigen und auch gefährlichen Zeiten entgegengehen“, erwiderte Boudet und blickte dabei auf seine Uhr. Dann ging er zur Türe und ich hörte ihn nach Gelis rufen.

Ich sah mit Erschrecken, dass dieser immer näher auf mich zukam. Verzweifelt drückte ich mich in meine Nische und hielt den Atem an. Zusätzlich wurde ich immer nervöser. Noch ein paar Schritte … und dann drehte er ab. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich atmete erleichtert auf. Hätte er mich entdeckt, wäre ich in Erklärungsnot geraten.

 

Als man wieder vollzählig versammelt war, ergriff Gelis sogleich das Wort und wandte sich dabei Saunière zu: „Als Sie mir vor einiger Zeit die Kopien Ihrer Dokumente gebracht haben, habe ich mich in diesem Zusammenhang an die uralte Legende erinnert, die besagt, dass Maria von Bethanien, ihr Bruder Lazarus und noch einige Frauen in einer Nussschale von Boot über das Meer hierher nach Südfrankreich gekommen sein sollen. Dort hätten sie an verschiedenen Orten ihren Lebensabend verbracht. Weiter hörte ich davon, dass sogar Josef von Arimathäa mit einer weiteren Person, die ich nicht näher beim Namen nennen möchte, ebenfalls hier im Roussillon gestrandet sein soll. Ich weiß nicht, inwieweit diese Papiere damit zu tun haben. Zwar habe ich sie eingehend studiert, kann mir aber dennoch keinen Reim darauf machen. Auf den ersten Blick stellen sie für mich nur lateinisch aussehende Texte mit offensichtlich frommem Inhalt dar. Vielleicht aber hat sie Bigout damals auch nur gefälscht, wer weiß?“ „Warum sollte Bigout so etwas getan haben?“, fragte Saunière.

„Ich habe nur laut nachgedacht“, beschwichtigte der Pfarrer von Coustaussa.

Ich erinnerte mich, Antoine Bigout war einer der früheren Geistlichen von Rennes-le-Château.

Dann wandten sie sich einer großen, marmornen Steinplatte zu und ich nahm an, dass sie von der Größe her von einem Grab stammen könnte.

Was es mit diesem Grab auf sich haben könnte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Umso geheimnisvoller klangen jetzt die Worte, die sich anscheinend darauf befanden und die Boudet laut vorlas: „Et in arcadia ego“ und dann senkte er die Stimme und las weiter. „Reddis, regis, cellis, arcis." Abwechselnd murmelte nun jeder von ihnen diese Worte vor sich hin.

Es klang wie eine Beschwörung und hatte etwas Unheimliches an sich. Augenblicklich lief mir ein eiskalter Schauer den Rücken hinab.

„Vor ein paar Tagen hatte ich die Gelegenheit und vor allem die Zeit, mich mit den Dokumenten zu befassen. Ich sage Ihnen ja dabei nichts Neues, Saunière, wenn ich hier feststelle, dass dieselben Worte ja auch auf den Papieren stehen. Also habe ich sie immer und immer wieder gelesen, dabei die Buchstaben und Worte verdreht in tausend Varianten und ich wurde tatsächlich fündig. Aber, was ich herausgefunden habe, macht mir, ehrlich gesagt, ziemliche Angst.“ Als ich dies mit angehört hatte, konnte ich verfolgen, wie Gelis schon wieder ganz feucht im Gesicht wurde und sich mit einem Taschentuch ein weiteres Mal den Schweiß von der Stirn wischte.

Es war so mucksmäuschenstill in der Kirche, dass ihn die beiden anderen auffordernd ansahen, er solle endlich seine Erkenntnisse preisgeben. Also tat er es, dabei immer kleinlauter werdend, sodass man es fast nicht mehr von meiner Position aus hören konnte.

„Der erste Satz heißt in Wirklichkeit „I TEGO ARCANA DIE“ und bedeutet „VERSCHWINDE VON HIER! Ich halte die Geheimnisse Gottes verborgen!“

Eine längere Pause folgte, in welcher man das Fallen einer Stecknadel hören konnte. Gelis bekreuzigte sich wortlos.

Ich selbst musste erst einmal kräftig schlucken, dann wandte ich mich um und rutschte an der Mauer entlang in die Hocke. Kurz darauf nahm ich die Hände vors Gesicht, denn langsam wurde mir klar, was sich hier soeben ereignet hatte.

Die drei Geistlichen hatten Grenzen überschritten, ja sogar einen Frevel begangen.

 

 

Jetzt brauchen wir unbedingt etwas zur Entspannung. Wie wäre es mit Satire zum Schluß?

 

Bittesehr:

 

                             Die wilde Hilde

 

Ach, liebe Hilde, was mache ich jetzt nur ohne dich. Ich bin so verzweifelt, denn ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Ich muss das erst einmal verkraften, dass du mich auf einmal verlassen hast. Schließlich wird man nicht jeden Tag von einem Moment auf den anderen Witwer.

Noch vor kurzem musste ich dir zustimmen, wie du zu mir gesagt hast, ich könnte froh sein, jemanden wie dich kennengelernt zu haben. Schließlich hast du für mich gekocht und den Haushalt in Schuss gehalten. Unser schmuckes Haus in der Nürnberger Gartenstadt glänzte innen wie außen. Alleine dies rechnete ich dir schon hoch an und ich muss gestehen, du warst auch so eine Art Lebensversicherung für mich.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie du zu mir scherzhaft gemeint hast, du würdest mich sowieso überleben. Davon ging ich auch aus, weil du ja um einiges jünger warst als ich.

Gleichzeitig  stieg aber auch ein ziemlicher Stolz in mir hoch, denn zwischen uns gab es einen Altersunterschied von immerhin zwanzig Jahren. Nicht jeder Mann kann eine so junge Frau an seiner Seite vorweisen. Du hast auch mich selbst jung gehalten und mir immer bei jeder Gelegenheit gezeigt, dass ich noch lange nicht zum alten Eisen gehören würde. Dass ich dafür heimlich Viagratabletten geschluckt habe, verriet ich dir selbstverständlich nicht. Ich wollte mir ja keine Blöße geben.

Ich amüsierte mich oftmals heimlich darüber, wie du dich gewundert hast, dass ich so ein großes Stehvermögen hätte. Einmal verrietst du mir sogar, dass du deinen Freundinnen gegenüber öfters davon geschwärmt hast, wie gut ich noch in Form wäre für mein Alter.

Aber Sex ist ja auch nicht immer das Wichtigste im Leben, da gibt es  immerhin auch noch andere Dinge.

Wehmütig denke ich zum Beispiel an die Zeit zurück, als ich noch gearbeitet und gut verdient habe. Als ich abends nach Hause kam, war immer alles peinlich sauber geputzt im und es glänzte piccobello. Ich wunderte mich schon  immer, wie du das alles unter einen Hut bekamst, denn dein Terminkalender war doch immer proppenvoll.  Komisch kam mir nur vor, dass ich keine einzige von deinen Freundinnen, mit denen du dich verabredet hattest, jemals zu Gesicht bekam. Aber ich will mich nicht darüber beschweren.

                                   

Wie du dich auch erinnern kannst, wollte ich auf keinen Fall, dass du einer regelmäßigen Arbeit nachgehst. Ich war stets der Ansicht, dass ich genug Geld verdiente, das locker für uns beide reichen würde. Trotzdem kam es für dich nie infrage, Taschengeld von mir zu verlangen. Als Begründung hast du mir verraten, dass du vor unserer Ehe selbst so viel gespart hättest und dir davon viele schöne Dinge leisten könntest. Dein Onkel in Amerika, den ich leider nie kennenlernen durfte, hätte dir zusätzlich noch eine große Erbschaft hinterlassen, wie du mir am Anfang unseres Kennenlernens verraten hast.

 

Ich konnte es immer kaum erwarten, nach getaner Arbeit nach Hause zu kommen. Ich stellte mir vor, wie du mich an der Krawatte hinter dich herziehend ins Schlafzimmer bugsieren würdest, wo ich dir dann die wenigen Sachen, die du trägst, in Sekundenschnelle vom Leib reißen würde.

Manches davon war garantiert nicht billig, aber du meintest nur lapidar, dass alles von dir aus der Portokasse bezahlt worden sei. Ich müsse mir da keine Gedanken machen.

Und alle diese erotischen Spielzeuge, die du für uns angeschafft hast! Wir haben sie fast alle ausprobiert, studienhalber, meintest du ganz sachlich dazu. Zwar habe ich diese Bemerkung nie ganz verstanden, aber unserer Phantasie waren dennoch keine Grenzen mehr gesetzt.

Erinnerst du dich? Du wolltest sie sogar von der Steuer absetzen.

Ich musste dir allerdings widersprechen. Auch wenn ich als Finanzbeamter alle steuerlichen Tricks kannte, war es trotzdem nicht möglich, sie als Arbeitsmittel zu verbuchen.

Es sei denn, du hättest zuhause…, aber nein, was dachte ich da von dir. So etwas war doch gar nicht möglich. Außerdem hast du mir öfters deinen übervollen Terminkalender präsentiert, in dem die Namen deiner diversen Freundinnen aufgeführt waren. Da hättest du für andere diverse Bekanntschaften sowieso keine Zeit mehr gehabt.

Nein, mein Schatz. Du warst für mich als brave Ehefrau über jeden Zweifel erhaben und Treue stand für uns beide an erster Stelle.

 

Was ich auch noch unbedingt erwähnen muss, ist, dass du mir später, als ich schon Rentner war, bei vielen technischen Dingen des Alltags unter die Arme gegriffen hast. Ich fühlte mich nämlich schnell vom Fortschritt abgehängt und so Dinge wie Online-Banking oder Internet-Bestellungen wurden nach und nach für mich zu einem Buch mit sieben Siegeln für mich. Schon alleine deswegen zog ich mich  immer mehr in den großen Garten hinter unserem Haus zurück.

Deine Welt war es ja nicht gerade, wie du ein ums andere Mal behauptet hast. Eine panische Angst ergriff dich immer bei der Gartenarbeit, dass du dir deine gepflegten Fingernägel abbrechen könntest. Diese waren dein ganzer Stolz und schon bald hast du es bleiben lassen, mich dabei zu unterstützen. 

Mir gefiel das zuerst gar nicht, aber dann hast du mich überzeugt, weil ich schließlich die perfekt aussehende Ehefrau zu Hause haben wollte. Man kann eben nicht alles haben.

Jedenfalls wolltest du immer vorzeigbar für mich bleiben, was ich dir  hoch anrechnete.

Über manche anderen Dinge sah ich großzügig hinweg. Zum Beispiel hattest du bereits am Anfang unserer Ehe klargestellt, dass du nicht kochen konntest. Wir ließen uns dann einfach bei Einladungen das Essen immer von einem Catering-Servic liefern. Dies war auch überhaupt kein Problem für uns, weil wir es uns leisten konnten. Ich genoss dies auch immer heimlich, wenn wir Besuch hatten. Mancher Freund wurde dabei ganz grün vor Neid im Gesicht.

 

Ach, es waren schon herrliche Zeiten! Jammerschade, dass du jetzt schon unter der Erde liegst und deine letzte große Reise antrittst.

Apropos Reise. Bestimmt erinnerst du dich noch an diese wunderbaren Reisen, die wir unternommen haben. Von Amerika bis Indonesien haben wir ungefähr jedes Urlaubsland besucht.

Nur Billigreisen wie in die Türkei lehntest du prinzipiell ab und ein Flug nach Ägypten oder überhaupt in die arabischen Länder kam für dich ebenfalls nicht in Frage. Dass du immer Angst hattest, ich könnte dich dort an einen Scheich für eine Kamelzucht verkaufen oder dich  gegen eine Ölquelle eintauschen, amüsierte mich prächtig.

Aber das kam nicht von ungefähr, denn schließlich hattest du jede Menge Holz vor der Hütte. Deine sagenhaft tolle Figur und deine langen blonden  Haare, die so manche andere Frau vor Neid erblassen ließen, taten ihr Übriges dazu.

 

Zum Beispiel erinnere ich mich noch genau, wie wir meinen Chef und seine Frau zu uns einluden. Diese war ja damals nicht besonders freundlich zu dir, warum das so war, weiß ich bis heute noch immer nicht.

Eigentlich unterhielten wir uns doch so nett mit unseren Gästen, als wir bei diesem herrlichen Wetter auf unserer Terrasse saßen. 

Hinterher wunderte ich mich, ehrlich gesagt, doch etwas, denn wie ich dich meinem Chef  vorstellte, sah ich, dass er für einen kurzen Moment erschrak. Etwas später zitterte er leicht und wischte sich öfters seine schweißnasse Stirn mit einem Taschentuch ab. Er entschuldigte es damit, dass die Hitze ihm zu schaffen mache.

Freundlicherweise  machte er dir dann jede Menge Komplimente, was für eine attraktive Frau du wärst. Diese Gelegenheit hattest du sofort genutzt, um ihn raffiniert um den Finger zu wickeln.

Wie du mir hinterher verrietst, tatest du es für meine Beförderung. Allerdings hatte dies negative Auswirkungen für ihn, weil seine Ehefrau für den Rest des Nachmittags sehr sauer auf ihn  zu sein schien und ihn vollständig ignorierte. Du hast dann für ihn Partei ergriffen, indem du sie ebenfalls ignoriert hast. Na ja, Frauen sind eben ab und zu eifersüchtig aufeinander.

 

Ach Hilde, es ist ein Jammer, ich vermisse dich so sehr. Nie mehr werde ich wieder so jemanden wie dich kennenlernen.

Aber will ich das eigentlich auch? Nein, viel lieber bleibe ich für den Rest meines Lebens allein. Ich träume dann ab und zu von dir  und stelle mir vor, was wir noch alles hätten erleben können.

 

Jetzt musst du mich jedoch entschuldigen, denn es wird schon dunkel und ich muss noch den Spaten und die Schaufel in unser Gerätehäuschen bringen. Schließlich habe ich den ganzen Nachmittag gegraben. Außerdem möchte ich noch ein paar Tulpen hier an dieser Stelle pflanzen.

Danach werde ich mich auf die Veranda setzen, mich ausruhen und wehmütig zuschauen, wie du hier unter ein paar Metern Erde friedlich ruhst. Daran bist du selbst schuld. Hättest du mir nämlich verraten, welche tatsächliche Bewandtnis es mit deinem Terminkalender hat, du elendes Miststück,  könnten wir nach wie vor ein glückliches Leben führen, aber du wolltest es ja nicht anders.